Andacht

Ein Samariter aber, der auf der Reise war, kam dahin;
und als er ihn sah, jammerte er ihn; und er ging zu ihm ...
und pflegte ihn.

Lukas 10, 33f

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Lieselotte Nowack (Essen): Der barmherzige Samariter

Liebe Gemeindeglieder und Freunde der Gemeinde

Der Mann auf dem Kreuzweg fällt unter die Räuber. Er muss – schwer geschlagen – erdulden, dass Priester und Levit ihn links liegen lassen. Jesus – auf dem Weg zum Kreuz – muss schmerzlich erfahren, dass ihn seine Jünger verleugnen und davonlaufen. Von Gott und den Menschen verlassen stirbt er am Kreuz.

Der Mann auf dem Kreuzweg – halbtot geschlagen – findet schließlich seinen Retter, den dritten, den Fremden. Aus Liebe und Barmherzigkeit nimmt er sich des Verlorenen und Verlassenen an. Jesus – am dritten Tag im Grab – am Ende. Alles hat er gegeben zur Erlösung der vielen. Gott findet ihn und erweckt ihn zum Leben. Jesus lebt, und wir sollen auch leben. Niemand, der ihm nachfolgt auf dem Kreuzweg, wird da liegen bleiben. Die dunkle Grabeshöhle ist zugleich der Ort der Auferstehung.

Das Relief von Lieselotte Nowack, das in unserer Kirche hängt, erzählt nicht nur die Geschichte des barmherzigen Samariters, sondern auch die von Jesu Tod und Auferstehung. Der Kreuzweg, der die Welt umspannt, ist gefährlich, irdisch, mit Sünde gepflastert, und voller Enttäuschungen.

Aber in der Grabeshöhle tut sich was. Öl lindert die Schmerzen, Wein desinfiziert die Wunden. Der Samariter hebt den Niedergestreckten heraus aus seinem Elend. So handelt Gott. Es jammern ihn die Notleidenden. Der Mensch auf dem Kreuzweg ist doch sein Ebenbild. Den hebt er heraus und trägt ihn an einen sicheren Ort. Dort wird er gesund. Da trocknen die Tränen und die Freude kehrt zurück. – Das ist auch unsere Geschichte. pahlen_klaus_2

Mit herzlichen Ostergrüßen,
Ihr Pastor

        Klaus Pahlen

 

Jahreslosung 2011 origJahreslosung 2011:

Lass dich nicht vom Bösen überwinden,
sondern überwinde das Böse mit Gutem

Römer 12, 21

 

 

 

 


 

 

Brücke, Jahreslosung 2011,
© Dorothee Krämer, Esslingen,
mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin

Liebe Gemeindeglieder und Freunde der Gemeinde

Vom Kampf zwischen Gut und Böse spricht die Losung für das angebrochene Jahr 2011. Wir haben es erlebt und erlitten und hier und da auch selber verursacht. Gutes und Böses steckt in uns, so dass wir zugleich Opfer und Täter sind. Darum ist es so wichtig, sich an jedem Morgen neu auf Gott zu besinnen. Wir sind getauft und gehören zu Christus. Damit fängt das Leben an christlich zu werden. Nicht unser Eigensinn soll unser Leben bestimmen, sondern der Wille Gottes.

Gerne suche ich jedes Jahr eine graphische Gestaltung der Jahreslosung aus. Dieses Jahr fiel die Wahl auf das Bild von Dorothee Krämer. Sie stellt das Böse als einen großen Riss dar, unübersehbar wie die schlechten Nachrichten in der Tageszeitung. Frevel, Mutwillen und Sünde sind der Riss, der eine hohe Mauer einstürzen lässt.

Aber was mich in dem Bild besonders anspricht, sind die zarten, schnellen, aber nicht flüchtigen Pinselstriche oberhalb des Risses. Als ich sie sah, dachte ich: „Das ist es! Das ist die Brücke, die das Böse überwindet. Da ist Gott am Werk, denn seine Kraft ist in den Schwachen mächtig“ (2.Kor 12,9).

Angesichts der Bedrohungen und Probleme stehen wir oft hilflos da, möchten gerne etwas tun, sind willig im Geist, aber schwach in der Ausführung (Mat 26,41). So schwach wie die haarfeinen Pinselstriche, die über dem Riss eine Brücke bilden. – „Das geht doch gar nicht. Das ist doch unmöglich,“ denken wir. Aber so sind Gottes Wege, fein gesponnen wie die Fäden einer Spinne. Äußerlich gesehen schwach sind sie zehnmal stabiler als Stahlseile. Gottes Wege führen uns auf die zarten Pfade der Liebe und Barmherzigkeit, der Vergebung und des Friedens.

Jesus sagt: Selig sind die Friedensstifter, denn sie werden Gottes Kinder heißen (Mat 5,9). Im Geist der Versöhnung können wir über Mauern springen, Gräben überwinden und Frieden schaffen. Durch Gewaltanwendung kommen wir keinen Schritt weiter. Sind wir stärker als unser Gegner, schaffen wir es vielleicht, ihn zu unterdrücken. Aber Frieden ist das nicht. Frieden wird aus der Schwäche heraus geboren und in Geduld getragen.

Schauen wir auf Jesus, wie er zwischen Gott und uns Menschen Frieden geschaffen hat. Als wehrloses Kind ist er geboren. Wehrlos nahm er das Todesurteil auf sich und stellt sich in den Riss, um am Kreuz die Welt mit Gott zu versöhnen.

Schauen wir noch einmal auf das Titelbild. Der helle Schein des Himmelslichts dringt in den Riss ein bis unten hin. So tief ist Jesus hinabgestiegen in das Reich des Todes. Sein Licht erfüllt die Zerrissenheit der Welt und bringt sie wieder zusammen. Christus lebt im Riss. Er hat ihn nicht verursacht, füllt ihn aber aus im Geist der Auferstehung und Versöhnung. Sein Leben, seine Vergebung der Sünden bilden die Brücke zwischen unversöhnlichen Gegensätzen und Beziehungen, die durch Sünde und Bosheit zerrissen sind. Auf dieser Brücke finden wir den Weg zu unseren Mitmenschen.

Wir merken, in der Aufforderung des Paulus, das Böse mit Gutem zu überwinden, steckt das ganze Evangelium. Es ist gut, sie in diesem Jahr 2011 täglich vor Augen zu haben. So werden wir – schwach wie wir sind – in der Kraft des Heiligen Geistes das Böse mit Gutem überwinden.  pahlen_klaus_2

Mit herzlichen Segenswünschen .
Ihr Pastor

         Klaus Pahlen

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