Bartning-Kirche

Raum ist Spannung

Eine Ausstellung über Leben und Werk

des (Kirchen-)Baumeisters Otto Bartning (1883-1959)

vom 4. bis 18. Juli 2010 in Essen

in der Kirche am Moltkeplatz, Selbständige Ev.-Luth. Kirche (SELK), Moltkeplatz 17

Täglich 10-18 Uhr geöffnet (sonntags ab 11 Uhr nach dem Gottesdienst) – Eintritt frei

Ausstellungseröffnung am Sonntag, 4.7.2010

Eine Ausstellung der Otto Bartning-Arbeitsgemeinschaft Kirchenbau (OBAK),

präsentiert von der OBAK und der Gemeinde Essen der Selbständigen Ev.-Luth. Kirche (SELK)

im Rahmen der Europäischen Kulturhauptstadt 2010,

der Aktion „Bartningkirche des Jahres 2010“ und der „Bartning-Jahre 2008|2009|2010“

zur 100-Jahr-Feier der Einweihung.

Am 4.7. um 12:30 Uhr Pressegespräch mit den Veranstaltern
(Propst Klaus Pahlen und Norbert Briele von der SELK-Gemeinde /
Pfarrer Dr. Hans-Jürgen Kutzner, Udo Klenner und Christina Rudert von der OBAK)

Festprogramm zur 100-Jahr-Feier der Einweihung am Sonntag, dem 4. Juli 2010:

      • 10-12 Uhr Festgottesdienst mit Bischof Hans-Jörg Voigt zum Kirchweihjubiläum
      • anschließend Zwischenprogramm bis zur Ausstellungseröffnung um 15 Uhr (Mittagsimbiss, Präsentationen, Gespräche, Besuch der nahe gelegenen Auferstehungskirche von Otto Bartning)
      • 15 Uhr Ausstellungseröffnung mit Vortrag der OBAK von Pfarrer Dr. Hans-Jürgen Kutzner (Hannover) und Immo Wittig (Berlin)
      • 15:45 Uhr Kirchenrundgang
      • 17-18 Uhr Konzert für Bläser und Orgel unter der Leitung von Kantor Thomas Nickisch (Werke von J. S. Bach, F. Mendelssohn-Bartholdy, D. Wendel, C. Mawby, Th. Nickisch, J. Gottmann u. a.). Bläserensemble im Sprengel West der SELK / Jürgen Gottmann (Orgel).

Otto Bartning gilt als wichtigster deutscher Kirchenbaumeister des 20. Jahrhunderts im evangelischen Bereich und bedeutender Architekt der Klassischen Moderne. Mit dem Bau von Kirchen begann er schon 1906, noch als Student, im Alter von 23 Jahren. 1918/19 avancierte Bartning, was kaum bekannt ist, zusammen mit Walter Gropius zum Vater der Gründungsidee für das Bauhaus; 1926-1930 war Bartning Professor und Direktor der von ihm gegründeten Bauhochschule in Weimar (die den Platz des nach Dessau gezogenen Bauhauses von Gropius einnahm).

Die Ausstellung behandelt exemplarisch die Sakralarchitektur Bartnings, Bauhausgründung und Weimarer Bauhochschule und will den ideengeschichtliche Kontext seines Schaffens näher bringen. Leben, Wirken und Kirchbauten werden auf 15 größeren und einigen kleineren Schautafeln, durch Fotos und per Bildschirmschau präsentiert, ergänzt durch einige Architekturmodelle im Maßstab 1:100. Kopien ausgewählter Dokumente können zur Lektüre eingesehen werden; eine Hörstation gibt eine Rede Bartnings zum Thema „Wort und Raum“ im O-Ton wieder. Käuflich zu erwerben sind drei Publikationen zu Otto Bartning, eine Ansichtskarte mit dem Modell der „Sternkirche“, Flyer zu einigen Bartningkirchen sowie ein Handout zur Ausstellung.

Berühmt wurde Otto Bartning 1922 mit der (ungebaut gebliebenen) „Sternkirche“ und an dieses „Idealmodell“ anknüpfende Kirchbauten in der Weimarer Republik – es wurden Meilensteine der Sakralarchitektur des 20. Jahrhunderts, Prototypen einer neuen Raumorganisation im Kirchenbau: die Auferstehungskirche („Rundkirche“) in Essen (eingeweiht 1930), die „PRESSA-Stahlkirche“ von 1928 auf dem Kölner Messegelände (nach der PRESSA-Ausstellung zur Nutzung als Gemeindekirche nach Essen-Holsterhausen umgesetzt), die 1932-34 erbaute Gustav-Adolf-Kirche in Berlin-Charlottenburg („Fächerkirche“). Mit dem deutschlandweiten „Notkirchenprogramm“ nach dem 2. Weltkrieg machte er sich in kriegszerstörten Städten einen Namen (so entstand in Essen 1949 die Apostel-Notkirche in Frohnhausen) und begründete mit jenen so ausdrucksstarken „Zelten in der Wüste“ ein neues Leitbild für den protestantischen Kirchenbau. Insgesamt erbaute Otto Bartning 150 Kirchen im In- und Ausland, von Beirut bis Belgrad, von Lissabon bis zum Schwarzen Meer.

Der Ausstellungsort, die Kirche am Moltkeplatz, ist eine architekturgeschichtliche Besonderheit, es handelt sich nämlich um den einzigen Kirchenbau Bartnings in Deutschland aus seinem Frühwerk, der Zeit vor dem 1. Weltkrieg (alle übrigen von ihm zwischen 1906 und 1914 erbauten Kirchen befinden sich in den Ländern der ehemaligen Donaumonarchie). 1909 war Baubeginn, am 10.7.1910 die Einweihung unter der Bezeichnung „Altlutherische Kirche“ – sie ist ein Bauzeugnis für die Überwindung des rückwärts gewandten Historismus jener Tage. Der campanileartige Turm diente zugleich als Treppenhaus für das später ebenfalls von Bartning angefügte Pfarrhaus. Im 2. Weltkrieg zerstört, wurde der Wiederaufbau bereits 1948 beendet, als erster der wiederaufgebauten Essener Kirchen. Der Innenraum ist freilich gegenüber dem Originalzustand deutlich verändert worden. Seit 1987 ist die Kirche Baudenkmal. Das 100. Jahr der Einweihung dieses bauhistorisch wichtigen Sakralbaus gab den Anlass für das Prädikat „Bartningkirche des Jahres 2010“.

Die weltberühmte „Stahlkirche“ von 1928 – eine Kathedrale aus Stahl und Glas –, ein Gründungsbau der Klassischen Moderne, wurde kriegszerstört – unbegreiflicherweise aber nicht rekonstruiert, sondern blieb noch eine lange Zeit in Essen-Holsterhausen als Torso stehen, bis sie in den 1960er Jahren dann vollständig abgerissen wurde. Im Modell ist sie wiederentstanden, erstmalig am 4.7.2010 zu besichtigen.

Auch noch mit den drei erhaltenen Bartningkirchen bietet Essen einen beachtenswerten Ausschnitt der Schaffensphasen Otto Bartnings, vom Frühwerk über die Klassische Moderne bis zur unmittelbaren Nachkriegsarchitektur, eine 40-jährige Spannweite innovativen Kirchenbaus widerspiegelnd. Darüber hinaus ist Essen mit der – architektonisch, aber auch in theologischer und liturgischer Hinsicht visionären – „Sternkirche“ verknüpft, war Essen doch als einer der möglichen Standorte vorgesehen, was indes nicht verwirklicht wurde. Jedoch ist die in unmittelbarer Nähe des Ausstellungsortes gelegene Auferstehungskirche eine in sachlichen Formen gehaltene Rezeption der – hoch-expressionistischen – Sternkirche, beide sind Ergebnis der intensiven Auseinandersetzung Bartnings mit dem Zentralbaugedanken. Insbesondere die der Sternkirche zugrunde liegende neue liturgische Idee, die eine Aufwertung der Abendmahlsfeier im protestantischen Gottesdienst beabsichtigte, wird auch im kreisrunden Grundriss der Auferstehungskirche deutlich. Als „Rundkirche“ (zeitgenössische Bezeichnungen lauteten „Zirkus“ und „Hochzeitstorte“) schrieb auch sie Architekturgeschichte. Ein Highlight ist die 2008 abgeschlossene Rekonstruktion der kriegszerstörten Fenster mit den wunderschönen modernen Glasbildern des expressionistischen Künstlers Johan (Jan) Thorn Prikker.

Otto Bartning gehörte zur Avantgarde der Moderne (Arbeitsrat für Kunst, Werkbund und der Ring seien hier als zentrale Wirkungsfelder genannt), und war dabei eine bedeutende Persönlichkeit des kulturellen Lebens weit über die Architektur hinaus. 1924 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Theologie – maßgeblich für diese für einen Architekten recht ungewöhnliche Ehrung war der Entwurf der Sternkirche! – in der Laudatio verglich man seine Bedeutung mit der Karl Friedrich Schinkels. Während der Weimarer Republik sowie nach 1945 bekleidete Bartning zahlreiche öffentliche Funktionen, war ab 1950 Präsident des Bundes Deutscher Architekten (BDA) und 2. Vorsitzender des Deutschen Werkbundes (DWB). Seine Schriften bergen mannigfaltige theologische Impulse, und mit dem Reisetagebuch „Erde Geliebte“ wie der Erzählung „Der Geschändete“ hinterließ er sogar ein viel beachtetes literarisches Œuvre. Im Hinblick auf die kirchengeschichtliche Bedeutung besonders erwähnenswert ist, dass Otto Bartning eine Ausnahmeerscheinung bildete unter den – sonst ja eher kirchenfernen – Avantgardisten: Für ihn waren Kirche und Moderne keine Gegensätze. Und immer wieder kritisierte er die Predigt-Fixierung des protestantischen Gottesdienstes. Und mit Visionen einer neuen Menschengemeinschaft wurde Otto Bartning zum Vordenker eines zeitgemäßen, nicht konfessionell verengten Glaubensverständnisses.

Die Ausstellung ist Teil der „Bartning-Jahre 2008|2009|2010“ – ein von der OBAK ins Leben gerufener überregionaler Festzyklus aus Anlass des 125. Geburtstages Otto Bartnings im Jahre 2008, seines 50. Todestages 2009, des „Bauhausjahres 2009“ und zweier wichtiger Jubiläen vom ihm erbauter Kirchen 2010 (100-Jahr-Feier in Essen und 50-Jahr-Feier der posthumen Einweihung seiner letzten Kirche) – mit Veranstaltungen an vielen Orten zur Würdigung dieser so bedeutenden Persönlichkeit des Protestantismus und einer Abschlussveranstaltung im Dezember 2010 in Karlsruhe, seinem Geburtsort.

Zu den genannten Terminen laden wir herzlich ein. Der Eintritt ist frei (um eine Spende wird gebeten, da für die Präsentation in Essen leider kein kirchlicher oder anderer Sponsor gefunden wurde).

    i.A. Propst Klaus Pahlen für die Gemeinde Essen der SELK

    i.A. Imo Wittig für den Vorstand der OBAK

Gemeinde Essen der Selbständigen Ev.-Luth. Kirche (SELK)
Moltkeplatz 19
45138 Essen
0201 / 26 33 94
pastor@selk-essen.de
www.selk-essen.de

Otto Bartning-Arbeitsgemeinschaft Kirchenbau e.V. (OBAK)
Dietzgenstraße 92
13156 Berlin-Pankow
030 / 400 58 333
Team zur Veranstaltung: Udo Klenner, Pfarrer Dr. Hans-Jürgen Kutzner, Christina Rudert, Immo Wittig

bartning-kirchen@otto-bartning.de
www.otto-bartning.de
www.otto-bartning.eu

Plakat zur Ausstellung im Internet: www.otto-bartning.de/essen2010.pdf

Programm der „Bartning-Jahre 2008|2009|2010“: www.otto-bartning.de/bartningbauhaus2009.htm

 

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